75. Weihnachts- und Konsumstress

75. Weihnachts- und Konsumstress

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Worksheet Content: 

  • Präteritum (Past Tense)
  • etwas + Adjektiv

Hallo, hier ist Daniela und dies ist Folge Nr. 75 des German with Stories Podcast.

Es ist Dezember, also sollte ich über Weihnachten sprechen, oder? Es fällt mir ein bisschen schwer, da ich diesen Dezember im Amazonasgebiet verbringe, in der brasilianischen Stadt Manaus. Aber auch hier stehen Weihnachtsbäume, künstliche natürlich, es gibt Lichterketten und Weihnachtsdekoration.

Vor zwei Tagen war ich in einem Shoppingcenter und es war ziemlich voll. Gut, die Brasilianer lieben ihre Malls und in Manaus ist es so heiß, dass es angenehmer ist, in einer klimatisierten Mall als in den Einkaufsstraßen des Zentrums herumzulaufen.

Ich war nicht im Shoppingcenter, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen, aber ich habe trotzdem daran gedacht, dass früher vieles anders war. Weniger Konsum und nicht schon im Oktober Weihnachtsartikel in den Geschäften.

Als ich ein Kind war, startete das Warten auf den Heiligabend am 1. Dezember. Heiligabend ist der 24. Dezember und am Abend gibt es Geschenke, nicht am 25. Dezember.

Am 1. Dezember bekamen meine Schwester und ich einen Adventskalender. Nichts Kompliziertes. Ein kleines Stück Schokolade für jeden Tag. Das durften wir schon morgens vor der Schule essen. Und mit jedem Stück Schokolade in unserem Magen kam Weihnachten ein bisschen näher.

Im Stadtzentrum gab es einen Weihnachtsmarkt, wo man für wenig Geld Glühwein trinken und eine Bratwurst essen konnte. Heute kostet das oft mehr als € 10, besonders in den Großstädten. Es gibt Menschen, die sich das nicht leisten können und daher den Weihnachtsmarkt nur besuchen, aber nichts essen oder trinken.

Im Dezember sind die Geschäfte voll, weil die Menschen Weihnachtsgeschenke kaufen. Auch der Online-Handel boomt. Manche Menschen scheinen sogar meine Bücher an deutschlernende Freunde und Verwandte zu verschenken, denn der Dezember ist auch für mich immer ein guter Monat auf Amazon. Danke dafür.

Natürlich haben wir früher auch Weihnachtsgeschenke gekauft, aber ich glaube, wir haben heute mehr Konsumstress. Vielleicht haben wir zu viele Optionen. Online können wir sogar im Ausland bestellen. Früher war Weihnachten in Deutschland ein Familienfest. Geschenke waren wichtig für die Kinder, aber es war nicht exzessiv. Meine Schwester und ich haben zu Weihnachten jeweils zwei oder drei Geschenke von unseren Eltern und noch eine Kleinigkeit von unseren Großeltern bekommen. Geschenke für Freunde waren nicht üblich, dafür gab es Geburtstage.

Heute leiden viele Menschen unter Konsumstress und Erwartungsdruck. Die Weihnachtszeit ist nicht ruhig, sondern hektisch. Wie finde ich für jeden das passende Geschenk? Habe ich niemanden vergessen? Wann kaufe ich den Weihnachtsbaum?

Eigentlich ist unser ganzes Verhalten an Weihnachten ziemlich absurd. Weihnachten ist ein christliches Fest. Christen feiern an Weihnachten die Geburt Jesu.

Die Geschichte des Schenkens an Weihnachten ist anders, als viele denken. Und sie hat sich über die Jahrhunderte verändert.

Am Anfang steht eine bekannte biblische Szene: die Weisen aus dem Morgenland. In der Geschichte besuchen drei Männer das neugeborene Jesuskind. Sie bringen drei Geschenke mit: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Diese Geschenke waren etwas Besonderes. Sie waren ein Zeichen von Respekt und Ehre.

Aber wichtig ist: Diese Szene hat eigentlich nichts mit Weihnachten am 24. oder 25. Dezember zu tun, sondern mit dem Fest der „Epiphanie“ am 6. Januar. Und die drei Weisen wollten nicht „Geschenke verteilen“, wie wir es heute tun. Sie wollten nur einem besonderen Kind ihren Respekt zeigen.

Viele Jahrhunderte später, im Mittelalter, war das Schenken anders organisiert. Es gab noch keine Weihnachtstradition mit Geschenken. Der wichtigste Tag für Kinder war damals der 6. Dezember, der Tag des heiligen Nikolaus. Nikolaus war ein Bischof, der für seine Großzügigkeit bekannt war. Man erzählte viele Geschichten über ihn. Eine der bekanntesten Geschichten sagt, dass Nikolaus armen Familien heimlich geholfen hat. Er soll Geld oder Essen durch das Fenster geworfen haben, damit die Menschen genug zu essen hatten.

Am Nikolaustag bekamen die Kinder kleine Dinge. Meistens waren es etwas Essbares: ein Apfel, eine Orange, ein paar Nüsse oder ein süßes Gebäck. Mehr nicht. Diese Tradition war stark symbolisch. Es ging nicht um große Überraschungen, sondern um Liebe und um das Gefühl, dass jemand an einen denkt. Es gab noch keine Geschenke für Erwachsene. Und man kaufte kein Spielzeug.

Erst viele Jahre später, im 16. Jahrhundert, kam ein großer Wandel. In dieser Zeit begann die Reformation. Martin Luther wollte die Aufmerksamkeit der Christen stärker auf die Geburt Jesu richten und weniger auf einzelne Heilige wie Nikolaus. Deshalb unterstützte er eine neue Tradition: die Bescherung am 24. Dezember.

Man nannte den „Schenkenden“ jetzt das Christkind. Nun brachte also nicht mehr Nikolaus die kleinen Geschenke, sondern das Christkind.

Die Geschenke waren aber weiterhin klein und einfach. Es gab keine langen Wunschlisten. Es gab auch keine Werbung. Das Schenken war ein ruhiges, religiöses Ritual.

Dann begann das 19. Jahrhundert mit vielen Veränderungen. Viele Menschen zogen vom Land in die Städte. Es gab neue Berufe, neue Geschäfte und neue Möglichkeiten. In dieser Zeit wurde der Weihnachtsbaum immer beliebter. Familien schmückten ihn mit Kerzen, Äpfeln, Nüssen und kleinen Süßigkeiten. Und langsam entstand eine neue Idee: Man konnte kleine Geschenke unter den Baum legen.

Das war der Anfang von etwas Neuem. Die Geschenke bekamen einen festen Platz im Weihnachtsritual. Aber sie blieben noch viele Jahrzehnte klein und praktisch. Zum Beispiel Bücher, Handschuhe, Socken oder Schreibmaterial.

Mit der zunehmenden Industrialisierung wurde vieles billiger und leichter verfügbar. Die Kinder bekamen jetzt auch Spielzeug zu Weihnachten.

Der wirkliche Wandel kam im 20. Jahrhundert.
Jetzt entstanden große Kaufhäuser, und die Werbung speziell für die Weihnachtszeit begann.  

Der moderne Weihnachtsmann mit roter Kleidung, weißem Bart und fröhlichem Gesicht wurde weltweit bekannt. Viele Menschen denken heute, er käme aus alten Märchen. Aber die Wahrheit ist: Der Weihnachtsmann wurde vor allem durch Werbung groß gemacht und kommt in seiner heutigen Form aus den USA.

Durch die Werbung wurde Schenken immer stärker mit Kaufen verbunden. Die Menschen hatten mehr Auswahl und mehr Geld als früher. Und so wuchs der Brauch langsam weiter.

Aus kleinen Geschenken wurden größere Geschenke.
Aus einer ruhigen Tradition wurde ein wichtiges Familienereignis. Und aus dem Familienereignis wurde schließlich ein echter Wirtschaftsfaktor.

Das alles bedeutete noch nicht sofort Konsumstress. Aber es war der Beginn einer Entwicklung, die bis heute weitergeht: immer mehr Produkte, immer mehr Möglichkeiten, immer mehr Erwartungen.

So wurde aus einer kleinen, stillen Tradition der moderne Dezember mit Shopping, Stress und natürlich auch Freude.

So, nun weißt du ein bisschen über die Geschichte von Weihnachten und der Tradition des Schenkens. Egal, ob du Weihnachten feierst oder nicht, ich wünsche dir eine ruhige und stressfreie Zeit und einen guten Rutsch ins Neue Jahr. In der nächsten Podcast-Folge wird es dann um ein komplett anderes Thema gehen.

Ein Worksheet, das Transkript mit Vokabel-Liste und eine downloadbare mp3-Datei bekommst du im German with Stories Club unter patreon.com/germanwithstories.

75. Weihnachts- und Konsumstress

Das Christkind wird normalerweise als blonder Engel dargestellt. Es hat also Flügel. Oft ist es kein Kind, sondern eine junge Frau. Einer der bekanntesten deutschen Weihnachtsmärkte ist der Christkindlesmarkt in Nürnberg. Er wird traditionell von einer jungen Frau in goldweißem Gewand eröffnet, die das Christkind darstellt.

The Christkind is usually depicted as a blond angel, so it has wings. It is often not a child, but a young woman. One of the most famous German Christmas markets is the Christkindlesmarkt in Nuremberg. It is traditionally opened by a young woman in a gold-and-white robe who represents the Christkind.

 Eröffnung Christkindlesmarkt 2025: https://youtube.com/shorts/w2WXWEJmTCI?si=9-i3SzKo1hLghoH1

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